Herbsteindrücke

Herbsteindrücke

Ist momentan schon wieder alles in tristem grau getränkt und in Eberswalde die Sonne seit über einer Woche von einer Spundwand aus Nebel abgeschirmt, stellte sich das vor einem Monat noch gänzlich anders dar. Der Herbst konnte sich mit blauem Himmel, gleißendem Sonnenschein und einer goldgefärbten Landschaft von seiner schönsten Seite zeigen.

Schneckenaussicht

Schneckenaussicht

Post von Rainer Brüderle

Nachdem vor ca. einem halben Jahr schon mal eine umstrittene Postwurfsendung der FDP im Namen von Rainer Brüderle in meinem Briefkasten landete, geschah dies heute wieder. Ein 2-seitiger Brief in dem er zunächst stichpunktartig darlegt, welche Wohltaten der FDP zu verdanken sind und wo seiner Meinung nach noch Änderungen angebracht seien. Vom Aufhänger einer drohenden Inflation wird sodann eine Steigerung der Energiepreise als abzuwendendes Übel identifiziert:

Rot-Grün hat im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) allen Anbietern von Solar-, Wind-, und Agrargasstrom einen hohen Garantiepreis zugesichert – auf Kosten aller Stromkunden. Als Folge wird der Strom für Haushalte und Industrie teurer. Das gefährdet Arbeitsplätze. Die FDP-Bundestagsfraktion hat daher eine erste Reduzierung der Überförderung beim EEG erreicht. Wir wollen die übermäßige Subventionierung weiter absenken und damit den Anstieg der Stromkosten beschränken.

Dieser kleine Absatz hat es in sich und kommt vom Urheber des EEG (Rot-Grün) direkt auf die damit angeblich einhergehenden Probleme (höhere Energiekosten) für uns alle zu sprechen. Der Wahlkampf ist eröffnet und die Schlagrichtung der FDP wird deutlich. Aber wie hier ein Zerrbild der Realität dargestellt wird ist schon beachtlich. Deswegen möchte ich kurz die einzelnen Argumente ein wenig näher beleuchten:

das EEG bietet den Anbietern regenerativer Energien einen hohen Garantiepreis auf Kosten aller Stromkunden

Ein Garantiepreis – die sogenannte Einspeisevergütung – ergab sich aus dem Umstand, dass die großen Energieunternehmen kleineren Energieerzeugern den Zugang zu ihrem Verbundnetz verweigerten oder zumindest stark erschwerten. Damit wurde also nicht nur der Einstieg von (vor allem kleinen) Anbietern „grüner“ Energie ermöglicht, sondern allgemein der Anfang für ein Aufbrechen des vorhandenen Energiesystems hin zu mehr Konkurrenz gemacht. Denn mangelnde Konkurrenz bedeutete gerade in diesem Bereich eben auch eine mangelhafte Entwicklung des Strompreismarktes – auf Kosten aller Stromkunden.

Und schon unter Rot-Grün war klar, dass die Einspeisevergütung im Besonderen Maße als ein Instrument zur Marktaufbrechung dienen sollte. Deswegen wurde von Anfang an eine langsame Verminderung der zugesicherten Garantiepreise beschlossen.

als Folge wird der Strom für Haushalte und Industrie teurer

Die Kosten für Haushalte und Industrie sind durch das momentan gültige EEG sehr unterschiedlich zu bewerten. Da energieintensive Unternehmen eine Freistellung an der Beteiligung der sogenannten EEG-Umlage beantragen können, verschieben sich die Lasten zu Ungunsten privater und kleiner Energieverbraucher. Mag dies im Einzelfall vielleicht noch berechtigt sein, stellt sich die Lage momentan so dar, dass mittlerweile tausende Unternehmen eine Befreiung dieser Umlage-Beteiligung beantragt haben und dabei teilweise ihren Energieverbrauch unnötig in die Höhe schnellen lassen.

Zudem ist der Großhandelspreis für Strom in diesem Sommer an der Strombörse sogar gesunken. Wind- und Sonnenenergie haben dafür gesorgt, dass Deutschland in der Zeit Strom exportieren und große Stromabnehmer, die direkt an der Börse ihren Strom einkaufen, sich günstig versorgen konnten. Eine Anpassung der Endkundenpreise aufgrund der gesunkenen Börsenpreise fand allerdings nicht statt.

Die jeweilige Höhe der Energiepreise wird demnach nicht nur sehr unterschiedlich verteilt. Die (erst unter Schwarz-Gelb) eingeführten Instrumente zur Entlastung der Industrie führen sogar dazu, Anreize für mehr Energieverbrauch (als nötig) zu schaffen.

Wir wollen die übermäßige Subventionierung weiter absenken

Dass schon unter Rot-Grün eine langsame Absenkung der Subventionen für die erneuerbaren Energien vorgesehen war, habe ich bereits weiter oben geschrieben. Die Frage, ob die Subventionierung übermäßig ist, verlangt dabei einen Vergleich mit den fossilen und atomaren Energieträgern.

Besonders Steinkohle und Atomkraft wurden im Verlauf der letzten 30-40 Jahre wesentlich stärker als die regenerativen Energien subventioniert. Und das geschah und geschieht zumeist über indirekte Abgaben, die nicht auf der Stromrechnung ausgewiesen werden müssen. Als Beispiel seien nur die immer noch fortwährende Subventionierung des Steinkohleabbaus oder die zahlreichen Folgekosten der Atomkraft zu nennen.

Dazu kommen weitere versteckte Einsparmöglichkeiten. Die Betreiber müssen z.B. ein Atomkraftwerk lediglich für Schäden in einer Höhe von 2,5 Milliarden Euro versichern. Für Schäden die darüber hinausgehen, haftet der Staat und damit die Allgemeinheit. Müssten die Betreiber ihre Kraftwerke mit einem Betrag versichern, der den realistisch zu erwartenden Schäden im Falle eines GAUs entspricht, dürften sich die direkten Kosten wohl um einiges erhöhen. Der Blick nach Japan nach dem Unglück von Fukushima zeigt, dass dort mit Schäden von fast 100 Milliarden Euro gerechnet wird (Link entfernt, da er aufgrund der Depublizierung bei der ARD nicht mehr verfügbar ist).

EEG als Ursache der Energiepreis-Erhöhung?

Der ganze Abschnitt in dem Brief von Rainer Brüderle macht den Eindruck, als sei nur das EEG als Ursache für eine Erhöhung der Energiepreise auszumachen. Genau die Argumentation, mit der schon vor kurzem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft öffentlich Stimmung machen wollte.

Schaut man sich den durchschnittlichen Strompreis von 25,74 Cent/KWh für das Jahr 2012 an, macht die EEG-Umlage davon gerade einmal 3,59 Cent oder 13,95 % aus. Die Erhöhung der EEG-Umlage auf 5,28 Cent für das Jahr 2013 entspräche dabei einem Anteil von 19,25 % (sofern sich die anderen Einflüsse auf den Strompreis nicht ändern). Dieser vermeintlich starke Anstieg ist aber zu einem guten Teil gar nicht den erneuerbaren Energien zuzuschreiben. Zwei Punkte sind dabei besonders entscheidend:

  1. Allein 25% der EEG-Umlage setzen sich daraus zusammen, dass zurzeit etwa die Hälfte des industriellen Stromverbrauchs ganz oder teilweise von der EEG-Umlage befreit ist.
  2. Die EEG-Umlage ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Einkauf und dem Verkauf des geförderten Stromes. Da der Einkauf durch die garantierten Strompreise für die Energieunternehmen derzeit noch teurer ist als der Preis, den sie im Verkauf an der Strombörse dafür bekommen, stellt die EEG-Umlage diese Differenz sicher. Der Börsenstrompreis sank 2012 aber wegen des großen Stromangebots gerade durch die erneuerbaren Energien. Und da im Gegenzug die Strompreise für die Haushalte nicht angeglichen wurden, vergrößerte sich die Differenz und damit die EEG-Umlage. Allein dieser Anteil schlägt mit 13% an der gesamten EEG-Umlage für 2013 zu Buche.

Somit zeigt sich zum einen, dass der Anteil der EEG-Umlage am gesamten Strompreis eine eher untergeordnete Rolle spielt und vor allem bei weiteren Privilegien der Industrie maßvoll vorgegangen werden muss. Da diese im Gegensatz zu den Privathaushalten direkt von Preissenkungen an der Strombörse profitieren kann, kommt es zudem bei den Preisen für die Privathaushalte zu einer Verzerrung.

Das EEG als Ursache für Strompreissteigerungen an den Pranger zu stellen und dabei gigantische Unterstützungen für die klassischen Energieträger und selbst gemachte Privilegien für die Industrie zu verschweigen, zeugt jedoch von keinem feinen Stil und steht einer realistischen Betrachtung des Energiemarktes im Wege.

Sonnenuntergang #6

Sonnenuntergang #6

Spiele im Internet zu kaufen, ist einfach

Piraterie ist nicht die Folge einer grundsätzlich fehlenden Zahlungsbereitschaft und einer angeblichen „Kostenlosmentalität“. Ursache ist vielmehr der Mangel an zeitgemäßen, umfangreichen und uneingeschränkt verfügbaren digitalen Angeboten.

So stand es vor ein paar Tagen auf ZEIT Online im Artikel „Filme im Internet zu kaufen, ist zu kompliziert“ (ursprünglich auf netzwertig.com). In dem Artikel werden vor allem fehlende, attraktive Bezugsquellen für Musik, Filme und Serien als ein hauptsächlicher Faktor für Piraterie in diesem Segment beschrieben. Ich musste dabei direkt an den Bereich der PC-Spiele denken und wie sich die Situation dort seit ein paar Jahren für mich und viele die ich kenne ganz anders darstellt.

PC-Spiele und Piraterie

Seit über 20 Jahren spiele ich nun Spiele für den Computer. Angefangen mit einem Commodore 16 plus 4, über einen Amiga 500, bis zum Windows-PC. Raubkopien haben für alle Plattformen seit jeher dazugehört. Noch immer kann man die meisten Spiele spätestens am Erscheinungstag aus nicht legaler Quelle beziehen. Auf meiner Festplatte sind aber nur noch gekaufte Spiele vorhanden.

Seit ein paar Jahren bin ich gar nicht mehr auf den Gedanken gekommen, ein Spiel, das ich spielen möchte, nicht zu kaufen. Ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass ich oft Spiele kaufe von denen ich vorher kaum etwas gehört habe. Und vielen Freunden von mir geht es genauso. Der Grund ist ein zeitgemäßes, umfangreiches und (fast) uneingeschränkt verfügbares digitales Angebot von PC-Spielen. Und dieses Angebot kommt in Gestalt der Spiele-Verkaufs- und Community-Plattform Steam der US-Firma Valve daher.

Steam als zeitgemäße Distributionsplattform

Steam war anfangs lediglich als Kopierschutzsystem und als Plattform zur zentralen Verteilung von Spiele-Updates gedacht. Hat sich aber bis heute zu dem wohl größten Onlineshop für PC-Spiele entwickelt und etliche Funktionen integriert, die einem beim Spielen unterstützen. Es ist zwar auch wegen seiner Funktion als Kopierschutz umstritten, zeigt meiner Meinung nach aber beispielhaft auf, wie ein moderner Vertriebsweg für digitales Entertainment aussehen muss. Im folgenden daher die für mich entscheidenden Punkte:

  • Einfache Bezahlmöglichkeit: bei Steam kann ich mit über einem Dutzend verschiedener Verfahren zur Online-Bezahlung mein Spiel kaufen, und nicht nur mit Kreditkarte (etwas das z.B. beim Android-Shop von Google auch nach Jahren noch nicht umgesetzt wurde); auch kann man Freunden über das Steam-System Spiele schenken. Etwas, das nicht nur wichtig ist, wenn man jemandem eine Freude machen möchte, sondern auch um einfach an z.B. die nicht-deutsche Version eines Spieles zu kommen (siehe dazu auch den nächsten Punkt)
  • Übersichtlichkeit: ich sehe sofort, welchen Funktionsumfang ein Spiel hat, welche Sprachen es unterstützt und auf ungewöhnliche Einschränkungen wird deutlich hingewiesen (z.B. nur unter Windows 7 spielbar oder in Deutschland nur als gewaltgeminderte Version vorhanden)
  • Distribution: wenn man ein Spiel gekauft hat kann man es sofort und immer wieder herunterladen

Die bisher genannten Punkte dürfte man für eine Online-Plattform, die Inhalte für den Kunden attraktiv machen möchte wohl als selbstverständlich erachten. Aber die Gründe, warum ich mittlerweile lieber bei Steam ein Spiel kaufe, als im gewöhnlichen Geschäft, gehen darüber hinaus.

  • Funktionalität: ein integrierter (Sprach-)Chat macht es einem einfach, sofort mit den Mitspielern zu kommunizieren; über die gleiche Freundesliste kann man auch in das laufende Spiel eines Freundes unkompliziert einsteigen; bei vielen Spielen kann man aus allen vorhandenen Sprachversionen einfach auswählen (etwas das oft bei Spielen aus dem Laden so nicht gegeben war); Updates für seine Spiele bekommt man schnell und automatisiert
  • Attraktive Preise: auch wenn viele Blockbuster-Spiele oft bei Erscheinen etwas teurer sind als im Laden, ist Steam vor allem wegen seiner vielen Angebote bekannt geworden. Auch deshalb habe ich (und viele die ich kenne) Spiele gekauft, die ich sonst vielleicht eher woanders bekommen hätte
  • Ungewöhnliches Angebot: die großen Blockbuster-Spiele hatte man eh immer auf dem Schirm, aber Steam hat es geschafft, mir viele Spiele näher zu bringen, von denen ich gar nicht oder kaum wusste, die mich aber oft angesprochen haben
  • Integrierte Funktionen: seit einiger Zeit kann man für bestimmte Spiele sogenannte Mods (Erweiterungen und Umbauten eines Spieles, die oft kostenlos zu beziehen sind und von Fans geschaffen werden) direkt über Steam für das jeweilige Spiel finden und installieren; man kann direkt per Tastendruck einen Screenshot machen und auch veröffentlichen
  • Community: 1. man kann sich in den Foren von Steam sehr gut informieren und austauschen, insbesondere wenn man Probleme mit einem Spiel hat (gerade bei PC-Spielen oft wichtig), und das ohne erst in den Untiefen des Netzes nach einem passenden Forum suchen zu müssen. 2. in einer Art Facebook für Spiele tauscht man sich mit seinen Freunden aus, bzw. kann deren Fortschritt bei einem Spiel beobachten. Man kann Screenshots teilen, den Fortschritt des Freundes kommentieren, etc. und so sein Hobby mit anderen teilen
  • ein Kopierschutz der nicht nervt: dies ist oft ein Punkt der für aufgeheizte Gemüter sorgt und es ist auch schon mal vorgekommen, dass das Steam-Netzwerk für einige Stunden offline war und man viele Spiele in dieser Zeit nicht spielen konnte. Aber von den sonstigen vorhanden Kopierschutzsystemen ist Steam eines, dass mir von allen am wenigsten Ärger bereitet hat.
  • Entwicklung: Steam wird oft um Funktionen erweitert, die man nicht als zwingend nötig bezeichnen würde, die sich aber meist nach kurzer Zeit als sehr praktisch erweisen. Im Laufe der Zeit hat sich so bei mir das Gefühl eingestellt, dass die Betreiber von Steam mich als Spieler wahrnehmen und nicht nur als Konsumenten und man einen Mehrwert bekommt, wenn man dort ein Spiel bezieht

Vorbild für den Vertrieb von Musik und Co.?

Ich wollte, ohne auf sicher auch vorhandene Nachteile einzugehen, kurz aufzeigen, warum Steam für mich eines der großen Vorbilder für viele andere Anbieter beim Vertrieb digitaler Inhalte sein sollte. Steam ist einfach, umfangreich, komfortabel und oft preislich attraktiv. Aber gerade die Funktionen, die über den eigentlichen Kauf und Vertrieb des Spieles hinausgehen sind für mich entscheidend dafür, dass ich gerne und viel bei Steam einkaufe. Dieser Mehrwert stellt dann auch einen großen Unterschied zu einer eventuell raubkopierten Version dar.

Insbesondere die neue Funktion zum Bezug von Mods direkt über Steam finde ich überaus praktisch und wegweisend. Man stelle sich vor, man kauft ein Lied über iTunes und damit auch die Möglichkeit dieses in einem kleinen Programm zu remixen. Alle anderen Käufer bekommen dann wiederum z.B. auf einer Übersichtseite automatisch die erstellten Remixe präsentiert. Fan-generierter Content als Verkaufsargument und nicht als Begründung für Websperren!

Steam als Gesamtpaket, so wie es heute ist, dürfte meiner Meinung noch für geraume Zeit der Maßstab für Online-Vertriebsmodelle im Entertainment-Sektor darstellen. Denn auch wenn man die Mehrzahl der Funktionen auch über Drittanbieter oder externe Webseiten bekommt, gibt gerade die Integration all dieser Komponenten den Ausschlag und macht Steam so attraktiv. Ich würde mich freuen, wenn auch die Musik- und Filmindustrie sich da das eine oder andere abguckt.

Ein Hundeleben #10

Ein Hundeleben #10

Man achte auf die entspannte Sitzposition :-).